Freitag,
17.
April
2009
Vorurteile
Mädchen schneiden in Mathe schlechter ab als Jungs, wenn man ihnen vorher sagt, dass Mädchen in Mathe schlechter abschneiden als Jungs – sonst nicht. Hat ein Test gerade ergeben, statistisch signifikant. Und noch viel, viel mehr ist nur deshalb wahr, weil wir glauben, dass es wahr ist. Ein Großteil unserer Welt besteht aus solchen Produkten des Glaubens.
Zum Beispiel ist Geld wertvoll, weil wir glauben, dass Geld wertvoll ist. Deshalb funktioniert Geld als Tauschmittel und als Mittel zum Horten, Spekulieren, Imponieren und noch vieles andere mehr. Hätten nur Wenige diesen Glauben, wäre Geld nicht Geld, sondern nur bedrucktes Papier, ein Plastikkärtchen, eine Zahl auf einem Kontoauszug oder ein bisschen Metall von geringem Wert.
Drogen und Medikamente
Drogen kauft man auf dem Schwarzmarkt, sie sind gefährlich, denn sie machen süchtig; was man in der Apotheke bekommt, das sind Heilmittel. Richtig? Nein, falsch. Beides sind Drogen. Und beides kann, bei richtiger Anwendung, ein Heilmittel sein. Der »Volksmund« aber »weiß«, dass es in der Apotheke Heilmittel gibt und auf dem Schwarzmarkt Drogen.
Wer dem nachgeht, findet heraus, dass es viel mehr Tote durch Alkohol und Medikamentenmissbrauch gibt als durch die so genannten Drogen. Aber das berührt dass Wissen der Massen nicht, denn »Es ist doch allgemein bekannt, dass es in Apotheken Medikamente gibt und Drogen gefährlich sind«.
Religionen und Sekten
Religionen sind gut, Sekten schlimm. Die Anhänger der Religionen sind darin ausgebildet, die der Sekten (darin) gehirngewaschen. Experten (die Autoritäten des Westens) sind vertrauenswürdig, Gurus hingegen (die religiösen Autoritäten des Ostens) sind gefährliche Verführer. Außerdem sind Gurus »selbsternannt«, also unseriös. Wenn jemand sich »Künstler« nennt, also zum Künstler selbst ernennt, ist das schlimm? Nein, der ist mutig. Gurus aber sind nicht mutig, ihre Selbsternennung ist purer Größenwahn. Gurus müssen von anderen (Gurus?) ernannt werden die vielleicht ebenso dumm sind – jede Autorisierungslinie ist irgendwann mal von einem »Selbsternannten« begonnen worden.
Verdient jemand mit Esoterik Geld, ist das Abzocke der Naiven; er verdient sich damit »eine goldene Nase«. Verdient jemand als Priester Geld (z.B. per monatliches Gehalt oder durch Spenden an die Kirche), ist das keine Abzocke der Naiven, sondern er hat darin seine Berufung gefunden und gibt sich Gott mit Leib und Seele hin.
Schwarze und Weiße
Sind wir Rassisten? Natürlich nicht. Spätestens seit Obama Präsident ist, finden wir Schwarze genauso gut wie Weiße. Wenn man uns im Test aber für Sekundenbruchteile Bilder vorlegt, auf denen jeweils ein Mann zu sehen ist, der etwas in der Hand hält, und wir sollen sagen: »Welcher von ihnen ist gefährlich?«, dann tippen wir eher auf die Schwarzen. Egal, ob sie ein Handy in der Hand halten oder eine Pistole, so auf die Schnelle kann man das ja kaum erkennen. Auch die schwarzhäutigen Probanden tippten in diesem Test eher auf die Schwarzen.
Warum denn aufwachen?
Warum ist in so vielen Fällen besseres Wissen machtlos gegen ein gut eingespieltes Vorurteil, ein Klischee, eine Binse des Mainstream-Bewusstseins? (Es gibt auch Binsen in den Subkulturen, aber dort ändern sie ich leichter, je kleiner die Kultur, umso schneller).
Der Sprachgebrauch der Medien und die Denkgewohnheiten der Massen sind träge. Durch Einsichten einiger weniger werden sie nicht berührt, denn die ständigen Wiederholungen der immer gleichen Halbwahrheiten in den Medien und im inneren Dialog versetzen uns in Trance. Daraus aufwachen? Warum denn aufwachen, wir schlafen doch nicht!
»Querdenker«
Seit ein paar Monaten bekomme ich Einladungen zu Querdenker-Kongressen geschickt. Gute, professionelle PR, die nicht von Querdenkern gemacht wird, sondern von Geradedenkern des Mainstreams. Das törnt mich kein bisschen an, denn die Art, wie dort für die Originalität von Querdenkern geworben wird, ist so entsetzlich klischeehaft. Wirklich quer zu denken ist etwas ganz anderes. Wenn es geschieht, wird es nicht als ein Denken wahrgenommen, sondern als eine Störung des Betriebs. Es gibt ja auch keine Kongresse von Störern.