Samstag
25
Juli 
2009

Menschen als Karikaturen ihrer selbst

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Die Welt ist komisch – im Auge des Betrachters

Es gibt Tage, da habe ich den Eindruck, nicht normalen Menschen zu begegnen, sondern Karikaturen – Menschen, die sich selbst karikieren. Sie laufen herum als stünden sie auf einer Bühne und ihr Erfolg bestünde darin, andere zum Lachen zu bringen über ihre Eigenarten.

Wenn ich ein bisschen nachdenke, merke ich, dass das nicht sein kann. Die Menschen wollen doch ernst genommen werden (oder tun sie nur so als ob?). Wenn man über sie lacht, empfinden sie das meist nicht als Beifall, sondern fühlen sich ausgelacht. Es muss also mein Blick sein, der sie als Karikaturen ansieht.

Große Ohren

Jeder Mensch ist eigen. Cartoon-Zeichner gehen damit auf sehr einfache Weise um: Hat jemand große Ohren, zeichnen sie sie noch größer; hat er eine lange Nase, wird sie noch länger gezeichnet. Wenn ich beim Einkaufen in meinem nahe liegenden Städtchen (Neumarkt St. Veit) jemand auf schrullige Weise dort über den Stadtplatz gehen sehe, denke ich manchmal: Ah, gut, wie er das nur hinkriegt! Könnte auftreten damit …

Oder wenn jemand mich anspricht, so wie zum Beispiel gestern der Schaffner im Zug, als Olli und ich von München zurückkamen. Besonders am Ende unserer Fahrt seine Durchsage über Lautsprecher, die fand ich filmreif. Hab sie dann nur noch einen winzigen Tick mehr übertrieben, und so die anderen Fahrgäste zum Lachen gebracht.

Komisch oder normal?

Wenn ich alles als Komödie sehen könnte, dann bräuchte ich kein Kino und keine Literatur mehr, das normale Leben wäre mir Kunstgenuss genug!

Meist aber sind die Leute für einen normalen Betrachter nicht komisch, sondern – normal. Nur ich, der sie betrachtet muss da in meiner Betrachtung irgendwas eingebaut haben, das ihre Eigenheiten als größer erscheinen lässt, als sie in Wirklichkeit sind, so dass ich sie als Karikaturen empfinde oder als bühnenreif. So eine Art Vergrößerungsglas (oder akustisch: ein Verstärker) für die Eigenheiten, die dann lustig wirken.

Eigentlich gar nicht schlecht. Optimal wäre, wenn ich das immer einstellen könnte, wann ich will. Dann könnte ich die Welt als Komödie sehen und bräuchte kein Kino mehr und auch sonst keinen extra Input zur Unterhaltung oder Erheiterung – das normale Leben wäre genug!

Leben wie im Kino

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