Sonntag
10
Januar 
2010

Geheimnis?

25 Kommentare

Nein, das Gefäß ist das Entscheidende

Wenn in den »esoterischen Bravozeitschriften«, wie ein Freund von mir sie kürzlich nannte, von »Geheimnis« die Rede ist, dann ist damit das Geheimnis der Pyramiden, der Resonanz, der Polarität, des positiven Denkens oder das, was in »The Secret« steht gemeint, und in all den anderen Geheimnis-Büchern, also das übliche esoterische Geschwafel. Mich beschäftigt aber noch eine andere Art von »Geheimnis«.

Nämlich das, wovor die Leute erschrecken, wenn sie ganz platt, direkt und ohne Umschweife damit konfrontiert werden. Das, was wahr ist und wesentlich, aber so einfach und umwerfend, dass es der alltäglichen Wahrnehmung, die ja auf Neuigkeiten aus ist, normalerweise entgeht. Wenn man dann doch einmal darauf stößt, dann kann man es kaum glauben. Etwa das: »Du bist frei!« Wer kann das schon annehmen? Oder so, wie Tucholsky (mein großes Vorbild im Zeitschriftenmachen) es einst formulierte: »Erwarte nichts. Heute, das ist dein Leben.« Das las ich als Student in meiner Bude, und es warf mich um.

»Ich bin die Wahrheit!«

Von dem sufischen Mystiker Al Hallaj heißt es, er habe eines Tages gesagt: »Ich bin die Wahrheit!« Da haben sie ihn gesteinigt. Nur Allah ist die Wahrheit und Mohammed sein Prophet, wie kann einer da sagen: »Ich bin die Wahrheit!«? – das ist doch Gotteslästerung.

Der normale, brave Mensch sagt: »Wir sind alle seine Geschöpfe, wir sind Kinder Gottes.« Wenn dann einer sagt: »Ich bin Schöpfer!« Uhhh, da wird es gefährlich. Da haben sie die Steine schon in der Hand. Wer sich auf dieses Terrain wagt, sollte auf sowas gefasst sein.

Tags und nachts und dazwischen

Heute habe ich wieder die Dämmerung erlebt, morgens und abends. Im Winter sind mir diese Übergänge immer ein bisschen bewusster als im Sommer, weil da die dunkle Zeit länger dauert als die helle und ich auch die Morgendämmerung im Wachen erlebe. Es ist die Zeit des Hinübergehens. Die Menschen sind bei Nacht anders als tagsüber. Rilke hat das sehr schön und eindringlich ausgedrückt in seinem Gedicht »Menschen bei Nacht«:

Die Nächte sind nicht für die Menge gemacht.
Von deinem Nachbar trennt dich die Nacht,
und du sollst ihn nicht suchen trotzdem.
Und machst du nachts deine Stube licht,
um Menschen zu schauen ins Angesicht,
so musst du bedenken: wem.

Die Menschen sind furchtbar vom Licht entstellt,
das von ihren Gesichtern träuft,
und haben sie nachts sich zusammengesellt,
so schaust du eine wankende Welt
durcheinandergehäuft.
Auf ihren Stirnen hat gelber Schein
alle Gedanken verdrängt,
in ihren Blicken flackert der Wein,
an ihren Händen hängt
die schwere Gebärde, mit der sie sich
bei ihren Gesprächen verstehn;
und dabei sagen sie: Ich und Ich
und meinen: Irgendwen.

Zwischen den Stühlen

Wir wissen eh nicht, wer wir sind: Ich und ich und du und wir und ihr … wer ist das überhaupt? Nachts wissen wir das ebenso wenig wie tags, aber nachts gehen wir anders damit um, und an der Schnittstelle vom Tag zur Nacht oder der Nacht zum Tag kann einem »dämmern«, dass das so ist.

Neulich schrieb mir einer, dass ich mir mit meiner Existenz »zwischen den Stühlen« so viel vermassle. Kann sein. Aber da wohne ich, das ist meine Bleibe, dort bin ich mehr ich selbst als auf irgendeinem der Stühle.

Hoffentlich steinigen sie mich dort nicht. Nein, nein, das werden sie nicht tun, heute ist das anders, da darf man sowas sagen. Da überhören sie einen zwar, aber sie steinigen einen nicht mehr. Wir sind doch nicht mehr im Mittelalter, und das Weltbewusstsein öffnet sich immerhin ein Bisschen, ein kleines Bisschen auch für diese Dimension, die mystische.

Die Inszenierung des Geheimnisses

Was aber ist nun »Das Geheimnis«? Man kann doch nicht immer wiederholen: »Tat tvam asi«! Da halten sie einen für verrückt. Unter anderem deshalb haben die alten mystischen Schulen wohl ein Geheimnis daraus gemacht, in vielen Fällen einen richtigen Kult. Es ist so einfach, wie Tucholsky das ausdrückte, oder noch viel besser und eindringlicher in allen seinen Reden Jiddhu Krishnamurti. Aber da man es so ohne weiteres nicht verstehen kann, ohne innerliche Vorbereitung und langes Warten, haben die alten Schulen aus dem Offenbaren ein Geheimnis gemacht. Da wurde man erst eingeweiht in die erste Stufe, dann in die zweite, und so weiter, so ähnlich wie das heute die Reiki-Leute machen, nur mit noch viel mehr Brimborium. Und dann irgendwann, nach vielen Jahren der spirituellen Disziplin wurde der Schüler wirklich eingeweiht in Das Große Geheimnis: Du bist es! Tat tvam asi! Du bist der Schöpfer – nicht nur ein Geschöpf, sondern beides, Schöpfer und Erschaffener! Erwarte nichts, heute, das ist dein Leben.

Das Geheimnis des Geheimnisses

Wenn man so lange darauf hat warten müssen, dann kann man es vielleicht verstehen. Wenn man es hingegen einfach so gesagt kriegt und es in Millionen von Ratgebern steht, in den Regalen der Thalia- und Weltbild-Buchläden und auf den Tischen dieser Esoterik-Messen, und es kostet nur 8.95 €, als Taschenbuch in der soundsovielten Auflage, da kann man es nicht glauben. Wenn so viele Menschen es schon mit so wenig Aufwand bekommen und viele davon es wohl auch gelesen haben, obwohl es so billig ist, dann müsste die Welt doch heute eine andere sein. Es gibt aber auch heute noch Kriege, Umweltzerstörung, politische, religiöse und private Dummheit, nicht weniger als zu den Zeiten Salomons, also kann das nicht »das Geheimnis« gewesen sein. So einfach kann es nicht sein, sagt der gemeine Verstand, der common sense.

Das Geheimnis des Geheimnisses aber ist wohl das: Nicht die Botschaft ist das Entscheidende, sondern das Gefäß, das sie aufnimmt. Deshalb wird sie so selten verstanden, und deshalb beschäftigen sich die Mysterienschulen vor allem mit dem Gefäß.


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25 Kommentare zu »Geheimnis?«

  1. Hallo Leute,

    bin heute über einen Artikel auf der Connection-Website:

    http://www.connection.de/artikel/spiritualitaet-mystik/beziehung-nach-dem-erwachen.html

    auf folgendes Interview gestoßen:

    http://www.coaching-gabrielerudolph.gmxhome.de/seite9.htm

    Es geht darin (in Artikel und Interview) um das Prinzip der »Nichtdualität«, und ich vermute sehr, es ist ist die gleiche Haltung/Philosophie, die hier im Forum auch von Marianne und Henk (und eventuell auch Evelyn) vertreten wird/wurde. Nur ist mir beim Lesen dieses Interviews zum ersten Mal näherungsweise klar geworden, worin der Kern dieser Weltsicht besteht, worum es dabei geht (vielleicht, weil diese junge Frau ihre Gedanken so klar, prägnant und zusammenhängend zu vermitteln weiß).

    Es ändert zwar nichts daran, dass ich in meinem Denken und Fühlen nach wie vor »Lichtjahre« von einer solchen Haltung (alles ist eins, es gibt nichts zu tun, es gibt kein richtig und falsch, kein gut und böse etc.) entfernt bin. Aber was mich daran aufrichtig interessieren würde, wären zwei Dinge:

    1. Welche Vorteile hat das gegenüber einer »herkömmlichen« Weltsicht (nicht weniger als eine Weltsicht ist es ja wohl)? Auch, wenn diese junge Frau sagt: »Alles ist eine Einheit, und es gibt niemanden, der eine Wahl hat oder der etwas ändern, erreichen, loslassen oder akzeptieren könnte«, muss sie sich doch jeden Morgen beim Bäcker entscheiden (Wahl!), ob sie Schrippen oder Mohnbrötchen kaufen will und wird vermutlich Einspruch einlegen (es ändern!), wenn die Verkäuferin ihr statt Mohnbrötchen Laugenbrezeln in die Tüte packt. Kann sie dann einfach (temporär) ihre Weltanschauung »ausknipsen« und zuhause im stillen Kämmerlein wieder »einschalten«?

    2. Wie gelangt man zu solch einer Lebenshaltung? Sind es z.B. psychische Extrem- und Grenzerfahrungen (traumatische Erlebnisse in einem frühen Lebensstadium, psychische Erkrankungen, Drogenerfahrungen etc.) oder ist es ein/e eher bewusste/r Entscheidung/Weg, vermittelt z.B. durch Glaube und »spirituelle Schulung«, oder ist es etwas ganz anderes?

    Und noch eine dritte Frage (die eigentlich an Wolf Schneider gerichtet sein müsste, aber ich vermute, er wird sie mir nicht beantworten), derenthalben ich meinen Beitrag auch hier in diesem Thread plaziere:

    Ist es das gleiche (der gleiche Nondualismus), was W.S. meint, wenn er in seinem Text einen sufischen Mystiker zitiert mit den Worten: »Ich bin die Wahrheit«, »Ich bin Schöpfer und Schöpfung« oder ist das wieder eine »ganz andere Wiese«?

    Vielleicht mag jemand von euch spirituellen »Fachleuten« einem spirituellen Dodel wie mir (und das werde ich vermutlich auch immer bleiben, werde mich wohl in diesem Leben nicht mehr vom Saulus zum Paulus wandeln) in dieser Sache eine kleine Lektion erteilen, das wäre nett. Oder handelt es sich dabei um »Geheimwissen« (Esoterik), zu dem nur »Eingeweihten« ein Zugang gewährt wird? Oder kann ich gar froh sein, solche Erfahrungen nicht machen zu »müssen«?

    Schöne Grüße
    Peter

  2. Lieber Peter,

    hier meine völlig subjektiven Moment-Antworten auf deine Fragen zur Non-Dualität. Das mit dem Augenblick betone ich deshalb, weil ich dir sicher in den letzten 15 Jahren zu verschiedenen Zeitpunkten völlig verschiedene Antworten gegeben hätte:

    Zitat: 1. Welche Vorteile hat das gegenüber einer »herkömmlichen« Weltsicht (nicht weniger als eine Weltsicht ist es ja wohl)?

    Ich persönlich habe nie über den Vorteil nachgedacht, sondern das eher so erlebt, dass ich hinter diese Einsicht (dass der wahre Ursprung unseres Sein non-dual ist) nicht mehr zurück konnte, ab dem Zeitpunkt, wo sie sich in mein Bewusstsein »eingebrannt« hatte.

    Zitat: Auch, wenn diese junge Frau sagt: »Alles ist eine Einheit, und es gibt niemanden, der eine Wahl hat oder der etwas ändern, erreichen, loslassen oder akzeptieren könnte«, muss sie sich doch jeden Morgen beim Bäcker entscheiden (Wahl!), ob sie Schrippen oder Mohnbrötchen kaufen will und wird vermutlich Einspruch einlegen (es ändern!), wenn die Verkäuferin ihr statt Mohnbrötchen Laugenbrezeln in die Tüte packt. Kann sie dann einfach (temporär) ihre Weltanschauung »ausknipsen« und zuhause im stillen Kämmerlein wieder »einschalten«?

    Ich habe solche Vorgänge zu verschiedenen Zeitpunkten in meiner Entwicklung sehr unterschiedlich erlebt. Es gab dabei Phasen, in denen Handlungen aus irgendwelchen Impulsen entstanden, deren Ursprung ich nicht lokalisieren konnte. Es schien mir z.B. jede Form eines persönlichen Willens abhanden gekommen zu sein.
    Heute mache ich es wieder so, wie du oben beschreibst. (Fast) alles fühlt sich wieder ganz normal an.

    Zitat: 2. Wie gelangt man zu solch einer Lebenshaltung? Sind es z.B. psychische Extrem- und Grenzerfahrungen (traumatische Erlebnisse in einem frühen Lebensstadium, psychische Erkrankungen, Drogenerfahrungen etc.) oder ist es ein/e eher bewusste/r Entscheidung/Weg, vermittelt z.B. durch Glaube und »spirituelle Schulung«, oder ist es etwas ganz anderes?

    Das ist bei verschiedenen Leuten verschieden. Mich hat es da krisenartig hineinkatapultiert. Andere Menschen erleben das eher als ruhigere und bewusstere Entwicklungen.
    Mein Konzept dazu ist, dass es einfach eine Entwicklungsmöglichkeit ist, die der Erwachsene prinzipiell hat. Ob man das planen kann, habe ich meine Zweifel. Der Verlauf dieser Entwicklungen scheint auch höchst individuell zu sein.

    Zitat: Ist es das gleiche (der gleiche Nondualismus), was W.S. meint, wenn er in seinem Text einen sufischen Mystiker zitiert mit den Worten: »Ich bin die Wahrheit«, »Ich bin Schöpfer und Schöpfung« oder ist das wieder eine »ganz andere Wiese«?

    Diese »Vereinigung der Gegensätze«, das Bewusstsein, dass alles auch gleichzeitig sein Gegenteil enthält, war bei mir am Anfang nicht da. Jetzt ist es das vorherrschende Bewusstsein: Form und Leere, Dualität und Non-Dualität.
    Meines Erachtens muss der geistige Höhenflug, die Ekstase, wieder geerdet werden, bzw. sich materialisieren und inkarnieren. Ich nenne das auch die Zentrierung zwischen Himmel und Erde, Wolf meint das, glaube ich mit seiner »Ernüchterung«. Dann weiß man halt jeden Moment, dass man »irdisch« und »himmlisch« gleichzeitig ist. Graf Dürckheim hat das z.B. die »doppelte Natur aller Dinge« genannt.

    Zitat: Vielleicht mag jemand von euch spirituellen »Fachleuten« einem spirituellen Dodel wie mir (und das werde ich vermutlich auch immer bleiben, werde mich wohl in diesem Leben nicht mehr vom Saulus zum Paulus wandeln) in dieser Sache eine kleine Lektion erteilen, das wäre nett.

    Wer weiß? Bei Saulus kam die Wandlung auch sehr überraschend. :-)

    Zitat: Oder handelt es sich dabei um »Geheimwissen« (Esoterik), zu dem nur »Eingeweihten« ein Zugang gewährt wird? Oder kann ich gar froh sein, solche Erfahrungen nicht machen zu »müssen«?

    Ehrlich gesagt, waren meine Erfahrungen zeitweise so schmerzhaft, dass ich sie meinem schlimmsten Feind nicht gewünscht hätte. Aber das kann man sich wohl nicht aussuchen.

    Herzlich
    Marianne

  3. Hallo Marianne,

    hab’ zunächst besten Dank für deine Mühe, die du dir mit der Beantwortung meiner Fragen gemacht – und vor allem auch, dass du dich überhaupt darauf »eingelassen« hast. Ich kann ja als Außenstehender, als nicht der Nondualität und dem Konstruktivismus »Huldigender«, niemals verstehen, was du verstehst, was Henk verstanden hatte oder was sich Frau Rudolph (die Autorin der von mir zitierten Website) erschließt. Was ich versuchen kann nachzuvollziehen, sind bestenfalls die Motive, die in eine solche Sichtweise münden. Und dabei können Erfahrungsberichte, wie deiner oder der von Frau Rudolph hilfreich sein.

    Ich habe gestern auch noch die anderen Texte auf G. Rudolphs Website (ich vermute, sie hätte sicher nichts dagegen, hier in dieser Weise zitiert zu werden) gelesen und denke, dass mir im Hinblick auf den Nondualismus dabei einiges klarer geworden ist als in den zurückliegenden Debatten hier im Forum mit Henk, dir und den anderen (vielleicht waren die Dispute damals zu emotionsgeladen, wurde das Thema doch zu abrupt und zu geballt hier hineingetragen). Was mir auffiel, ist, dass alles was sie schreibt, recht reflektiert wirkt, dass trotz der in den Texten enthaltenen »anderen Wirklichkeit« offenbar ein klarer Realitätsbezug vorhanden ist – oder anders ausgedrückt, dass sie stets »den Daumen an der Fernbedienung« hat und zwischen »nondualer« und »dualer« Welt (der beim Bäcker!) hin und her switchen kann. Also vielleicht so etwas wie der auch von dir vertretene »gemäßigte Konstruktivismus« (im Gegensatz zu Henks »radikalem Konstruktivismus«)?

    Hinsichtlich meiner Frage nach den Vorteilen, respektive Nutzen (ich bin sicher, dass es sie gibt/geben muss), dieser nichtdualen Sichtweise denke ich mir nach der Lektüre von Frau Rudolphs Texten, dass diese vielleicht darin liegen könnten, dass der Nondualismus eine Art »Puffer« oder »Schutzschild« zwischen dem betreffenden Individuum und der es umgebenden Wirklichkeit (Umwelt) ist: Es kann ja (zeitweilig) sehr entlastend sein, wenn ich mir sage: »es gibt nichts zu tun, alles ist okay, ich muss nichts erreichen, es gibt kein Richtig und Falsch; Freude wie Leid sind lediglich ein >Konstrukt< meiner Gedanken«. Der Mensch kann sozusagen »die Verantwortung abgeben«, muss nicht »die ganze ideelle Bürde seines Daseins« tragen.

    Da spannt sich auch gleich der Bogen zur Frage nach dem Weg in den Nondualismus (wie gelangt man zu so einer Lebenshaltung?). Du sagst, dass das sehr verschieden sein kann und stellst weiters fest, dass es dich »krisenartig hineinkatapultiert« hat. Um mal bei der »(psycho-) krisenartigen« Variante (ich vermute, dass diese neben den »ruhigeren Wegen« auch die am häufigsten auftretende Variante ist) zu bleiben: Wenn ich in einer solchen Situation zu einem Psychiater gehe, wird der wahrscheinlich sagen: »du bist krank, mit dir stimmt etwas nicht«. Er diagnostiziert z.B. eine »schizoaffektive Psychose«, verschreibt die passenden (oder unpassenden!) Pillen, und das war’s dann.

    Die Chance, die m.E. nun zum Beispiel in der beschiebenen nondualistisch-konstruktivistischen Sicht liegt, ist möglicherweise eine »Entpathologisierung« des Erlebens, sozusagen eine positive Um- und Neubewertung der gemachten krisenhaften Erfahrungen. Würdest du mir da zustimmen?

    Schade, dass Frau Rudolphs Texte nicht datiert sind (auch der auf der Connection-Website veröffentlichte ist auf ihrer eigenen Seite bereits vorhanden). Denn mir ist aufgefallen, dass sie in einigen Texten vorrangig sich selbst in Frage stellt, was sie dadurch ausdrückt, dass sie das Wort »ich« stets in Anführungszeichen setzt oder ihre Texte mit »scheinbar Gabriele« unterschreibt. In anderen (wie dem auf der Connection-Seite) zweifelt sie offenbar weniger an der Existenz ihres Selbst (Subjekt), sondern stellt mehr die Objekte ihres Strebens in Frage, spricht beispielsweise von ihren Beziehungen zu »scheinbaren Männern«. Sollten letztere Texte jüngeren Datums sein, könnte man darin ja vielleicht eine positive Entwicklung sehen (das Selbst tritt wieder gestärkt zutage) und daraus die Vermutung/Hoffnung ableiten, dass irgendwann statt subjektivem Erleben oder objektiver Realität der Konstruktivismus an sich als »Täuschung« erkannt wird und sich damit selbst entbehren kann.

    Das würde dann vielleicht dem entsprechen, was du meinst, wenn du sagst, dass du den Konstruktivismus/Nondualismus bzw. das damit verbundene Erleben als »Entwicklungsmöglichkeit, die der Erwachsene prinzipiell hat« siehst und weiter ausführst: »Heute mache ich es wieder so, wie du oben beschreibst. (Fast) alles fühlt sich wieder ganz normal an«?

    In diesem Sinne kann ich also nur (für mich) hoffen und (jedem anderen) wünschen, dass mir/ihm die »Wandlung vom Saulus zum Paulus« erspart bleibt. Denn mein Erleben fühlte und fühlt sich stets ziemlich »normal« an und es drängt mich nicht nach anderem/extremem.

    Ich hoffe, Marianne, du nimmst es mir nicht krumm, wenn ich meine Gedanken nun doch wieder zu großen Teilen von einer »Meta-Ebene« aus angestellt habe; aber wie gesagt: nur von dieser Warte aus sehe ich eine reale Chance, überhaupt etwas für mich so »Fremdes« wie den Konstruktivismus zu begreifen. So, wie, wenn ich wissen will, woraus die Ringe des Saturn bestehen. Dann kann ich ja auch nicht den Arm ausstrecken und sie anfassen, um zu fühlen, ob sie tatsächlich aus gefrorenem Wasser bestehen. Sondern ich muss entweder mich darauf verlassen, was andere sagen oder versuchen, mir von der Erde aus und mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln ein Bild zu machen.

    Beste Grüße
    Peter

    P.S.: Ich hatte neulich bei deiner Frage bzgl. der spitzen Anführungszeichen (»«) zunächst gar nicht geschnallt, dass die Frage ja bereits die Lösung enthielt: Du hattest offenbar irgendwo diese Anführungszeichen kopiert und dann in das Posting eingefügt – und das funktionierte. So mache ich es jetzt auch. Denn die von Arnd vorgeschlagene Variante (Strg + X/Y) funktioniert offenbar nur auf Unix-Rechnern; jedenfalls geht das auf meinem Windows-PC nicht. Auf Windows erhält man diese Anführungszeichen lediglich über eine vierstellige Ziffernkombination, und da ist das Kopieren wohl handlicher.

  4. @ Arnd:

    Sorry, ich meinte natürlich AltGr + X/Y (nicht Strg + X/Y), was auf Windows nicht funktioniert.

    Allerdings: die weiterhin, z.B. in meinem letzten Posting, enthaltenen schwarzen Balken sind Bindestriche (n-dash bzw. normale Divis), welche ebenso nicht dargestellt werden, wie z.B. die Zoll-Zeichen (Shift + 2) als vereinfachte deutsche Anführungszeichen (auf der Forum-Seite z.B. funktioniert das, wie es soll). Und das kann m.E. nur an bestimmten nicht korrekten Meta-Daten im Template liegen oder an dieser komischen Monospace-Schrift, in der die Postings hier dargestellt werden).

    Gruß, Peter

  5. Zitat: Die Chance, die m.E. nun zum Beispiel in der beschriebenen nondualistisch-konstruktivistischen Sicht liegt, ist möglicherweise eine »Entpathologisierung« des Erlebens, sozusagen eine positive Um- und Neubewertung der gemachten krisenhaften Erfahrungen. Würdest du mir da zustimmen?

    Lieber Peter,

    Wenn man in dem Bewusstsein lebt, dass alles aus einer (ungeteilten) Quelle geboren wird, dann macht es wirklich keinen Sinn, irgendwas zu pathologisieren, schlecht zu finden, abzuwerten usw. (non-duale Sichtweise) Man ist mit allem im Reinen, was im Universum vorkommt.

    Im raum-zeitlichen Kontext unserer menschlichen Existenz ist das aber anders. Da ist es sehr notwendig, unterscheidende Weisheit zu praktizieren. (Sonst wird man vom Lastwagen überfahren, den man nur für eine Erscheinung hält!)

    Spirituelle Entwicklung ist auf der raum-zeitlichen Ebene immer auch ein Reinigungs- und Heilungsprozess. Manche Buddhisten sprechen sogar davon, dass es zu einer Verstärkung der Neurose kommt. Dabei scheint aber im weiteren Verlauf eine Loslösung von den meisten »karmischen Prägungen« stattzufinden. Dieser Prozess muss m.E. immer auch aktiv vom Betroffenen unterstützt werden (durch Heilarbeit oder geeignete spirituelle Übungen oder beides).

    Es geht auch hier m.E. darum, es als SOWOHL ALS AUCH und nicht entweder oder zu betrachten.

    Mit herzlichem Gruß

    Marianne

  6. Hallo Marianne,

    danke für deine Antwort.

    Kannte/kennt man denn im Buddhismus (dessen Anfänge ca. zweieinhalb Tausend Jahre zurückliegen und der ja etwas tradiertes und beständiges ist und sich meines Wissens nicht permanent fortentwickelt) den Begriff der »Neurose«?

    Schönen Gruß
    Peter

  7. Lieber Peter,

    sollten wir dieses Gespräch nicht lieber im Forum nebenan führen? Ich finde, es hat mit Wolfs »Geheimnis« nicht mehr viel zu tun.

    Den Begriff »Verstärkung der Neurose« habe ich bei Pema Chödrön gefunden, die ein buddhistisches Kloster in Kanada leitet und aus den USA stammt. Tsultrim Allione, eine Lehrerin aus Tibet, stellt auch sehr viele Synthesen aus moderner Psychologie und klassisch buddhistischer Lehre her. Beispiel “Den Dämonen Nahrung geben”.

    Die »Neurose« kann man auf jeden Fall als eine Spielart von Karma verstehen. Insofern greift da alles, was der Buddhismus über Auflösung karmischer Strukturen lehrt.

    Marianne

  8. Hallo Marianne,

    das Problem mit dem Forum besteht aus meiner Sicht u.a. darin, dass das ja niemand findet, der diese Website nicht schon kennt. Der Link zum Forum müsste m.E. an exponierterer Stelle auf der Seite (weiter oben) und viel auffälliger plaziert werden; in fetten Lettern: »FORUM -> hier diskutieren« oder so was in der Art.

    Es sind einfach auch zu wenig Leute, die Bock d’rauf haben, sich hier ab und zu einzubringen, um das Geschehen lebendig zu halten. Ich bin ja da selbst auch nicht ganz einig mit mir: Ich gucke hier immer mal wieder vorbei und frage mich: »soll ich mich da jetzt (wieder/nochmal) einmischen oder das Feld nich doch besser den Eso-Spiris allein überlassen«? So geht es anderen (zufälligen Besuchern der Website) möglicherweise auch; v.a., weil nicht ganz klar ist, worum es hier überhaupt geht, der Stoff keiner eindeutigen Kategorie zuzuordnen ist: nicht reine Esoterik, nicht reine Philosophie, nicht (reine) Psychologie (Diplompsychologinnen »verirren« sich wohl eher selten hierher!) nicht Zeitgeschehen, nicht Politik.

    Im Moment wüsste ich auch nicht so richtig, wie unser Gespräch über Nondualität/Buddhismus noch zu vertiefen wäre (wenn nicht noch neue, von anderen eingebrachte Aspekte, hinzukommen). Aber du kannst ja gerne »rüberwechseln«, vielleicht wissen Gerhard und Christoph noch was beizutragen, und ich komme dann auch noch mal dazu.

    Bis später — viele Grüße, P.

  9. Hallo Peter,

    du siehst Probleme, wo andere vielleicht Raum zum experimentieren sehen. Du suchst nach einem Aufhänger, nach einem Etikett für Wolfs Texte – aber es steht oben ganz groß drüber auch auf seiner Zeitung: es geht um das WESENTLICHE!- was auch immer das wohl SEIN mag. Wir wissen es nicht. Und noch kein Weiser, Philosoph oder auch Wissenschaftler hat das Mysterium des Lebens ergründen können –

    Es geht darum das sich >Etwas< in dir öffnet. Erkenntnis ist Gnade.
    Sie lässt sich nicht herbeizwingen.

    Grüße,
    Eve

    ;-)

  10. Hallo Evelyn,

    ich gebe dir recht, dass ich wohl in der Tat mitunter Probleme sehe, wo eigentlich gar keine sind.

    Dass hier im Blog seit ca. zwei Jahren relativ wenig los ist im Verhältnis zu früheren Zeiten, wo hier mitunter »der Bär steppte« (abgesehen von dem konstruktivistischen Wirbel , den Henk und Marianne hier zeitweilig entfachten, was ich gut fand), ist wohl nicht wirklich ein Problem. ;-)

    Vermtlich gehöre ich zu den unerleuchteten Dodels, die noch immer nicht kapiert haben, dass (wie du sagst) »Erkenntnis Gnade ist«, und dem Irrglauben anhängen, man könnte etwas dafür tun; z.B. sich hier mit anderen austauschen.

    Grüße,
    Peter

  11. Sich mit anderen austauschen ist wunderschön. Aber wenn du meinst, dadurch etwas zu gewinnen ist das eben einfach nur ein Irrtum. Alles was du tust geschiehtweil es möglich ist.
    Ohne Grund, ohne Sinn, ohne gestern ohne morgen. Es geschieht, weil das Leben IST. Es gibt keine erleuchteten Personen. Es gibt und gab niemals einen erleuchteten Menschen. Wir sind sozusagen Spiegelungen, Zersplitterungen des unreflektierbaren Einen.
    Alles was du glaubst zu tun, geschieht nur in dem Traum der Person.
    Und es ist erstaunlich, wundervoll, göttlich, unbeschreiblich …

    einfach Leben.

    :-)

  12. Wo macht sich Eve hier klein? Ich sehe es nicht.
    Gruß
    Gerhard

  13. @ Evelyn:

    Zitat: »Aber wenn du meinst, dadurch etwas zu gewinnen ist das eben einfach nur ein Irrtum.«

    Gibt es eigentlich in deinen Augen auch etwas, das kein Irrtum ist, gibt es etwas zwischen Himmel und Erde, das du gelten lässt?

    In einer Aussage stimme ich dir jedoch gerne zu: »Es gibt keine erleuchteten Personen.« (außer vielleicht Claudia Schiffer im Schweinwerferlicht, beim Fotoshooting für Victoria Secret, Versace oder was weiß ich).

    @ Gerhard:

    Zitat: »Wo macht sich Eve hier klein?«

    Antwort: Jetzt nicht mehr.

    Grüße,
    Peter

  14. >Zitat Peter;
    Gibt es eigentlich in deinen Augen auch etwas, das kein Irrtum ist, gibt es etwas zwischen Himmel und Erde, das du gelten lässt?<

    Alles ist gültig, alles ist göttlich, alles ist erleuchtet. Nichts ist gültig, nichts ist göttlich, nichts ist erleuchtet.

    :-)

    Eve macht sich weder klein noch groß, sie macht enfach nur das Spel, welches sie als Geist-Körper-System gelernt hat. Bedeutungslos in der Geschichte, unermesslich im SEIN.
    Wer könnte das je verstehen? – und Eve schonmal gleich gar nicht-
    *lächel*

  15. Puh, ganz schön verworren …

    Nach mehrmaligem Lesen des Threads stelle ich mir die Frage, ob sich überhaupt ein Eintrag mit dem Gesagten von Wolf beschäftigt.
    Es ist ja auch nicht sehr sinnig, im ersten Beitrag ein neues Thema zu eröffnen.

    Nun, soweit ich Wolf verstanden habe, sagt er, dass gerade nicht die Botschaft, sondern das Gefäss entscheidend ist. Also nicht welche Richtung (Non-Duality, Buddhismus, Sufi etc.), sondern wer ist dasjenige (Selbst, Seele, Person,Geist etc.), das sich richtet, ist entscheidend. Womit wir übrigens wieder bei der Kernfrage des letzten Threads wären: Identität.

    Nun ist, denke ich, die Advaita-Richtung(Non-Duality) das denkbar schlechteste Beispiel, um das “Gefäss” zu diskutieren. Ganz einfach deshalb, weil viele Vertreter jener Richtung diese so verstehen, als gäbe es keine weitere “Arbeit” mehr zu tun. Arbeit in dem Sinne, sich mit den Inhalten der Persönlichkeit auseinanderzusetzen.

    Nach meinem Verständnis ist fundamental wichtig, zunächst die Ebene oder Dimension zu klären, auf der man sich bewegt oder auf der man hier diskutiert. Ähnliches hatte ja Marianne schon angesprochen.

    Ich denke auch, dass die Frage der Selbst-Erkenntnis grundlegend ist. In welcher Identität wurzelt dieses Selbst ? Oder in welcher Ebene/Dimension ist diese Identität verwurzelt ?

    @ Peter

    Ich weiss nicht, worauf Du hinaus willst ?
    Und dieses sich-klein-machen (Spiritueller Dodo, Lichtjahre entfernt etc. ) ist auch nicht sonderlich attraktiv.
    Ich empfehle Dir, Dein Leiden zu akzeptieren. Dann würdest nicht nach dem Sinn einer religiösen Erkenntnis fragen.

    Nichts für ungut.

    Christoph

  16. Zitat Christoph: »Ich denke auch, dass die Frage der Selbst-Erkenntnis grundlegend ist. In welcher Identität wurzelt dieses Selbst ? Oder in welcher Ebene/Dimension ist diese Identität verwurzelt ?«

    Lieber Christoph,

    ich finde, da hat Wolf eigentlich eine klare Antwort gegeben: »Zwischen den Stühlen.«

    Zitat Wolf: »Wir wissen eh nicht, wer wir sind: Ich und ich und du und wir und ihr … wer ist das überhaupt? Nachts wissen wir das ebenso wenig wie tags, aber nachts gehen wir anders damit um, und an der Schnittstelle vom Tag zur Nacht oder der Nacht zum Tag kann einem »dämmern«, dass das so ist.«

    Diese Schnittstelle ist meines Erachtens das, was Almaas den »point of existence« nennt.
    Ich konzeptualisiere das eher in einem anderen Bild: Es ist für mich der Ort, wo der Ich-Gedanke, oder das Ich-Erleben gerade erst geboren wird (Form annimmt). Das nenne ich auch »Quellenbewusstsein«. In dem Moment, wo wir anfangen, Konzepte darüber zu bilden, wer wir sind, haben wir diesen Ursprungsort schon verlassen.

    Marianne

  17. Zitat Evelyn: »Eve macht sich weder klein noch groß, sie macht enfach nur das Spel, welches sie als Geist-Körper-System gelernt hat. Bedeutungslos in der Geschichte, unermesslich im SEIN.
    Wer könnte das je verstehen? – und Eve schonmal gleich gar nicht-
    *lächel*«

    Liebe Evelyn,

    es geht nicht darum, unsere Ich-Spiele zu verstehen, sondern einen Weg zu finden, dass sie uns nicht mehr im Griff haben (automatisch ablaufen!).

    Im raum-zeitlichen Kontext der Geschichte hat das eine riesen Bedeutung: Alle Kriege werden zum Beispiel von Leuten angezettelt, die ein Bewusstsein haben, als würden sie mit Plastikfahrzeugen und Zinnsoldaten im Sandkasten spielen. Das sind kindliche, unbewusste Ich-Spiele!

    Marianne

  18. Liebe Evelyn,

    es geht nicht darum, unsere Ich-Spiele zu verstehen,

    Stimmt. Habe ich auch nicht geschrieben, dass ich diese Spiel verstehen will. Und der Rest läuft sowieso außerhalb jeglicher Kontrolle.

    ;-)
    Du liebst eben deine Konzepte. Ist doch prima, solange du Spaß daran hast.
    Ich will und kann die Welt nicht ändern. Ich arbeite nur an mir. Das ist eine immense Lebensaufgabe.

    Grüße,
    E.

  19. Jeder Wandel in uns, verändert auch die Welt! Das kann man nicht trennen.

    Ja, ich liebe Konzepte und gleichzeitig traue ich ihnen nicht! :-)

    Das, was zwischen den Zeilen passiert, wenn wir uns gegenseitig unsere Konzepte zuwerfen, scheint mir wesentlicher zu sein.

    Herzlich
    Marianne

  20. Zitat M. Jeder Wandel in uns, verändert auch die Welt! Das kann man nicht trennen.

    Klar. Aber die meisten verstehen etwas anderes darunter. Und wollen eben mit ihren Konzepten die Welt verbessern.
    Wann ist das schon mal gelungen?
    Mir ist das auch egal. —-
    Ich arbeite seit kurzem wieder in der Pflege, nach 5 Jahren Pause. Es ist erschütternd, zu sehen, wie die Menschen alle in ihrem Filmen festhängen.
    Und sie wissen es einfach nicht, dass es nur ein Film ist. Sie nehmen alles unglaublich persönlich .
    Ich liebe meinen Beruf und die lange Pause hat mir sehr gut getan. Ich bin ruhig, auch wenn um mich herum die ganze Welt brennt .

    Ein Wunder!

    :-)

  21. Liebe Eve,

    ich würde dich gerne mal persönlich treffen und ein paar Sätze plaudern! Vielleicht sehen wir uns beim Connection-Frühjahrsfest.

    Herzlich
    Marianne

  22. JA, liebe Marianne,

    ich werde da sein.
    Ist aber ne lange Fahrt für mich. Wohne ja im Norden Deutschlands.

    Schreib mir mal !

    :-)

  23. Zitat Marianne:”ich finde, da hat Wolf eigentlich eine klare Antwort gegeben: »Zwischen den Stühlen.« …”Diese Schnittstelle ist meines Erachtens das, was Almaas den »point of existence« nennt.”

    Hallo Marianne,

    dem stimme ich nicht zu. Zunächst war die Frage nicht an Wolf gerichtet, sondern an jeden geneigten Leser. Und so klar finde ich die Aussage – “zwischen den Stühlen” auch nicht. Ebenso bezweifle ich, ob Almaas mit dem “point of existence” auch meint “Wir wissen eh nicht, wer wir sind”(Zitat Wolf).

    Ich meinte, dass es hilfreich wäre, die jeweilige Ebene der Diskussion zu klären. Von der Dimension des “Non-Conceptual” her ist klar, dass wir mit Konzepten diese Ebene verlassen. Auch die Aussage “Alles ist gültig … nichts ist gültig”(Zitat Eve) mag ja von der Dimension des Nicht-Dualen berechtigt sein, nur ist sie sinnvoll im Kontext einer Diskussion, die sich ja auch auf unsere Raum/Zeit-Dimension bezieht ?

    Also warum so ein Eiertanz ums Ego ? Narürlich geht es in dieser Dimension auch darum, unsere Ich-Spiele zu verstehen.

    Aber sind das letztendlich nicht Haarspaltereien, da wir (die wenigen Beteiligten) uns doch bezüglich der Existenz der spirituellen Dimension einig sind ?

    Interessant finde ich, wie sich dieses Bewusstsein in der Raum/Zeit-Dimension wiederspiegelt und da finde ich Wolfs “Glossen” recht anregend.

    Ich wünsche Euch dann ein anregendes Treffen am Frühlingsfest !

    Christoph

  24. Hallo Christoph,

    ich schätze deine Genauigkeit bzgl. der Definition von Konzepten sehr!

    Den “point of existence” habe ich im Zusammenhang mit dem Enneagramm-Typus VIER kennen gelernt. Sandra Maitri, eine Schülerin von Almaas schreibt, dass das Ego von VIER diese Dimension des Seins imitiert. Nach Almaas ist ein Merkmal des Typus VIER, dass er sich für eine getrennte Identität hält. Den “point of existence” verstehe ich als die Schnittstelle, wo Identität und Nicht-Identität eins sind. (Keine Ahnung, ob Wolf das meint, wenn er »zwischen den Stühlen« schreibt, da hast du völlig recht!

    Über die Non-Dualität Konzepte zu bilden ist ja schon ein Widerspruch in sich selbst.

    Vielleicht treffen wir dich ja auch am Frühjahrsfest!

    Grüße
    Marianne

  25. @ Christoph

    Zitat: »Ich empfehle Dir, Dein Leiden zu akzeptieren. Dann würdest nicht nach dem Sinn einer religiösen Erkenntnis fragen.«

    Manchmal frage ich mich, ob Leute, die solche »Empfehlungen« aussprechen, nicht vielleicht doch etwas begriffen haben, das sich meiner nüchternen Sicht der Dinge entzieht; ob ihnen womöglich eine Dimension des Verstehens und Erlebens zur Verfügung steht, zu der ich keinen Zugang habe.

    Aber wenn ich mich dann nicht mehr »klein mache« (wie du es nennst), kommt mir flugs der Verdacht, dass sie wohl lediglich ‘ne Menge esoterische »Ratgeber« gelesen und sich vermutlich jahrelang in irgendwelchen Selbsthilfegruppen rumgedrückt haben, um »ihr Leiden nicht akzepieren« zu müssen.

    ***************************

    @ Evelyn:

    Schön, dass du (wieder) in so einem wichtigen Beruf arbeitest. Ich wünsche dir ganz viel Power und (ganz wichtig!) immer die richtige Balance zwischen Einfühlung und Abgrenzung.

    ;-) Peter

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