Sonntag
25
Juli 
2010

Sonnencreme

Ein Kommentar

Wettrüsten für den Umsatz

Die Tage waren heiß, da ging ich ins Schwimmbad. Um mich herum Sonnenbadende, die sich zuvor eingecremt hatten. Warum tun sie das? Erst suchen sie die Sonne, dann schützen sie sich davor. Wäre es nicht klüger, sie würden nur genau so viel in die Sonne gehen, wie ihrer Haut gut tut, so wie ich es mache? Stattdessen legen sie sich in die Sonne, um sich zu bräunen, tragen aber zuvor gerade so viel Sonnencreme auf, dass die Sonne noch bräunt, die Bräunung aber nicht zu einem Brand wird.

Moderne Wirtschaft

Es kommt mir vor wie ein Wettrüsten: je mehr Sonne, desto mehr Creme; je mehr Creme, desto mehr musst du in die Sonne gehen, um noch eine Bräunung zu erzielen. Eine Viertel Stunde in der Sonne ohne Creme ergibt so viel Bräunung wie eine ganze Stunde mit viel Creme (Faktor soundsoviel – der gewiefte Sonnenbader muss nicht nur vorher einkaufen und eincremen, er muss auch studieren, welcher Faktor der richtige ist für welche Sonnenstärke und Dauer des sich Aussetzens).

Einst hatten die Menschen andere Beschäftigungen: Die Bauern fragten sich nicht, wie viel Sonnencreme sie brauchten, bevor sie aufs Feld gingen, und die Fischer nicht, bevor sie aufs Meer fuhren. Da waren die Menschen noch arm und das Bruttosozialprodukt gering, denn es fehlte die Sonnencreme und die Werbeumsätze für die Sonnencreme und das dabei im Handel verdiente Geld – und vieles andere mehr, das ich hier gar nicht aufzählen will. Ach, waren das noch Zeiten! Auch war damals die Bräunung der Haut noch kein Kriterium für Schönheit und sozialen Marktwert, es sei denn so rum: Wer braune Haut hatte, galt als arm, weil er im Freien arbeiten musste.

Ressourcen – wofür?

So ähnlich ist es wohl auch mit dem Wettrüsten zwischen dem Personal der Finanzämter und den Steuerberatern. Je mehr Tricks bzw. Kontrollen die eine Seite auffährt, umso schlauer muss sich die andere Seite machen, um diese zu durchschauen bzw. zu umgehen. Ebenso bei der echten Rüstung mit echten Waffen und der Spionage. Man muss mit dem Gegner mithalten, um nicht überwältigt zu werden, und vergeudet auf diese Weise viel Geld, Zeit, Material, Kreativität und Intelligenz – kostbare Ressourcen. Besser wäre es, diese für Glück, Liebe, Kunst und Lebensgenuss zu verwenden.

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Ein Kommentar zu »Sonnencreme«

  1. Hi Wolf,

    Du willst doch nicht im Ernst unser Zentralgestirn darauf reduziern, dass es die menschliche Haut bräunt respektive verbrennt. – Nein sicher! Tust Du ja auch nicht.

    Aber ich erinnere mich nur zu gut an meine Zeiten als leidenschaftlicher Sonnenanbeter. Die Hautbräunung war eher ein angenehmer Nebeneffekt. Ein ausgedehntes Sonnenbad war für mich wie das Auftanken meiner Lebensbatterien. Haut einölen habe ich da gern in Kauf genommen. Der Wechsel von Erhitzung und Abkühlung tut der Haut gut. Darum nutze ich zu kühleren Jahreszeiten auch regelmäßig die Sauna. Hält Erkältungen, schniefende Nasen und Grippe zuverlässig fern.

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