Sonntag,
8.
Januar
2012
Himmelfahrt? Nein danke
Die Erde ist mir lieber
Komme ich in den Himmel? Will ich das überhaupt? Jahrtausende lang haben die Menschen unserer Kultur vor allem den Himmel gelobt und sich ein Leben im Himmel ersehnt. Die Erde war für sie ein Jammertal. Kein Wunder, dass diese Erde so schlecht behandelt wurde, haben wir sie doch eher als ein Straflager empfunden für die Sünde, den Apfel vom verbotenen Baum gepflückt zu haben.
Noch heute ist »Christi Himmelfahrt« bei uns ein Feiertag. Christi Erdenleben? Eine Tortur, nichts zum Feiern. Diese Mythen und Bilder haben sich in uns eingeprägt, so dass es für uns heute nicht leicht ist, eine zutiefst positive Beziehung zur Erde herzustellen, obwohl sie es doch ist, die uns ernährt.
Früchte pflücken
Da ich gerade für ein paar Wochen unter Aussteigern auf La Palma lebe, ist meine Beziehung zu Himmel und Erde hier noch eine andere. Hier gibt es das ganze Jahr über Früchte zu ernten. Notfalls könnte ich hier sogar ohne eigenen Garten überleben, ohne mir was einkaufen zu müssen. Die Früchte der Pflanzen, die man hier beim Spazierengehen antrifft, werden großteils nicht abgeerntet. Auch in Deutschland kaufen die Leute lieber im Supermarkt die gestylten und in Plastik verpackten Früchte, als sie selbst vom Baum zu pflücken am Wegesrand, so als wäre das Apfelpflücken noch immer mit einem Fluch belegt. Für mich ist es ein hoher Genuss, mir die Früchte selbst zu pflücken, die die Natur einfach so hergibt, ohne etwas dafür zu verlangen, und hier auf La Palma gibt es sie rund ums Jahr.
Zurück zur Erde
So fühle ich mich getragen von der Erde, geliebt, geborgen und beheimatet. Habe zu essen, ohne mich dafür an einem Arbeitsplatz versklaven zu müssen, mit Zielen, die ich nicht gut finden kann. Hier sehe ich auch die Zyklen des Werdens und Vergehens so nahe, dieses Wachsen und Verwelken, geboren Werden und Sterben und vergesse nicht, dass auch ich eines Tages irgendwo unter der Erde liegen werde, vermutlich als Asche. Oder auch im Wasser, wenn ich darf.
Nein, in den Himmel möchte ich nicht.