Sonntag
1
März
2009
Placebos sind wirksam
Die Placeboforschung kann die traditionelle Schulmedizin von ihrer Einseitgkeit befreien
Nochmal zu der TIME-Ausgabe von voriger Woche (23. Feb.), die ich schon in meinem Verlagsrundbrief erwähnt hatte. Dort beschäftigt sich der Leitartikel »The Biology of Belief« eingehend mit Placebos und verweist auf den Radiologen und Psychiater Andrew Newberg von der Universität von Pennsylvania, der zusammen mit M.R. Waldman das Buch »How God changes your brain« geschrieben hat. Newberg erzählt von einem Krebspatienten, dessen Tumore zurückgingen, als er versuchsweise ein Mittel (»an experimental drug«) bekam. Als er hörte, dass dieses Mittel bei anderen nicht wirken würde, nahmen sie jedoch wieder zu. Dann gaben ihm die Ärzte steriles Wasser und sagten, das sei ein noch stärkeres Mittel als das erste – die Tumore gingen wieder zurück. Dann erkläre die US Food an Drug Administration das Mittel, das er bekommen hatte, für wirkungslos, daraufhin starb der Patient. Aus diesen und vielen anderen Geschichten schließt das TIME magazine: »Wenn der Glaube an eine Pille so stark sein kann, dann müsste der Glaube an Gott und religiöse Lehren – der fromme Menschen noch viel tiefer berührt als bloße Pharmazeutik – noch viel stärker sein.«