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Wolf Schneider

Wolf Schneiders Webdiary

4.3.2004

Fasten

Ernährung und Bewegung im Vorfrühling

Ich habe noch nie im Leben richtig gefastet, nicht absichtlich jedenfalls, und die Absicht gehört ja wohl dazu. Als buddhistische Mönche in Thailand haben wir nur vormittags gegessen, zwischen 7 und 12 Uhr. Nachmittags zu essen oder nachts, das wäre gegen die Regeln gewesen; aber das war kein Fasten, nur ein etwas eingeschränktes Essen.
Die letzten zehn Tage aber habe ich ein bisschen gefastet. Ich hatte ein paar Wochen lang leichte Bauchschmerzen gehabt, obwohl ich mich ziemlich gesund ernähre und mein Hausarzt nichts finden konnte, was aus seiner Sicht nicht stimmte. Irgendwie aber hatte ich genug vom normalen Essen. Ich wollte nicht mehr, ohne zu wissen, was genau ich nicht mehr wollte. Deshalb hörte ich einfach auf zu essen.
Ein paar Tage lang trank ich nur Fruchtsäfte, circa einen Liter am Tag, und reichlich Tee, fast immer mit einem Schuss frischer Sahne. Also kein strenges Fasten. Wenn ich dann noch Hunger hatte, nahm ich ein Stück Wasa Sesam Knäcke (das ist besser als jeder Keks!), aber ich hatte nicht oft Hunger und fühlte mich von Tag zu Tag leichter.
Seitdem schlafe ich weniger, meist genügen mir vier bis fünf Stunden Schlaf. Ab und zu fühle ich mich für zwei, drei Stunden ziemlich schwach, das vergeht dann aber, und die Stunden danach fühle ich mich leicht und stark.
Seit dieser Woche passe ich mein Essen allmählich wieder dem an, wie ich mich vorher ernährt habe, aber nur tendenziell, denn ich will nicht wieder Bauchweh bekommen. Ich züchte Sprossen und mampfe ab und zu ein paar davon. Einmal am Tag eine Banane, bei Hunger auch zwei. Heute habe ich außerdem zwei Walnüsse gegessen.
Das Unwohlsein im Dünndarmbereich ist nun fast weg.

Ich finde es spannend, die Wirkung der einzelnen Nahrungsmittel und Getränke auf mein Gesamtbefinden zu erforschen. Jedes Nahrungsmittel wirkt anders, ein bisschen abhängig auch von Tageszeit und Gemütszustand. Arbeiten und Pausen machen, essen und trinken, sitzen und mich bewegen, ich wechsle dazwischen so gut ich kann und so sehr ich es mir leisten kann, denn manchmal muss ich doch am Arbeitsplatz etwas durchziehen oder habe ein Meeting, obwohl ich dazu gar keine Lust habe oder muss noch einen Text fertig machen, obwohl es schon spät in der Nacht ist.
Trotzdem bin ich relativ gut dran: Ich habe eine Arbeit, die mich völlig fordert und erfüllt. Ich lebe in meinem eigenen Haus und arbeite hier auch. Ich bin mein eigener Chef (allenfalls sind es mal meine Kunden, die mich terrorisieren, oder ... ähhh, hoffentlich liest das hier keiner ... meine Mitarbeiter). Finanziell bin ich so eingeschränkt, dass ich keine großen Sprünge machen kann und alles genau durchkalkulieren muss, was ich mir leiste, aber es geht immer irgendwie.

Bewegung hast Du ja auch genug, sagte mein Hausarzt noch, um die Diagnose abzurunden. Nein, Bewegung habe ich tendenziell zu wenig, vor allem im Winter. Ich fahre sonst gerne, möglichst einmal am Tag, mit dem Mountainbike in den Wald. Es ist eine hügelige Gegend, und gleich vom Haus aus komme ich dort hin, ohne Umwege durch Siedlungen, aber im Winter geht das schlecht. Also, vor allem im Winter: Mehr Bewegung, mehr Yoga, ab und zu joggen, trotz Schnee, und so oft es geht ins Thermalbad!

Als ich letzte Woche Claudias Angebot las, vom »Frühlingserwachen – Fasten, Schreiben und in Bewegung kommen«, dachte ich: Ja, das ist es! Nun faste ich ja schon (ein bisschen, aber dort im Kurs machen sie auch kein extremes Fasten), und will deshalb nicht in einem solchen Kurs gleich nochmal damit beginnen, aber das zusammen mit anderen zu machen und sich dabei auszutauschen, wie es einem geht, das wäre noch besser. Der Geist trägt einen dabei, was sonst; auch beim Fasten trägt einen der Geist. Und in der Gruppe kann man sich gegenseitig unterstützen und so auch durch Phasen der Schwäche und des Widerstandes hindurchgehen.
Wer mehr dazu wissen will: Unter Claudia Klingers Schreibimpulse steht das alles genauer.

Der Geist trägt einen,
was sonst?
Auch beim Fasten
trägt einen der Geist

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