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Wolf Schneider

Wolf Schneiders Webdiary

10.7.2004

Können & Wollen, ich & du ...

Über die Irrelevanz von Hilfsverben und Personalpronomina

Ich kann, darf, soll, muss oder will das tun. Ach herrje, was denn nun? Kann ich es, darf ich es, soll ich es, muss ich es, oder will ich es?
Die Gehirnforschung hat herausgefunden, dass wir erst etwas tun – und eben dies erst hinterher auch wollen. Darüber gäbe es keine Diskussion mehr, das sei Konsens unter den Forschern, hieß es neulich im Feuilleton der SZ.
Für die Gehirnforscher sei die zeitliche Abfolge ganz klar. Auch wenn es sich nur um Sekundenbruchteile handle: Erst kommt das Tun, dann das Wollen. Und dass wir dann sagen, wir müssten oder sollten, um das Getane in ein gesellschaftliches Regelsystem einzubinden, das ist uns dann auch geschenkt. Erst die Tat, dann die Erklärung, dass es geschehen musste. Immerhin haben wir dann wenigstens ein gutes Gewissen.

Ohnmacht = Allmacht
Wenn ich das, was sowieso geschieht, auch noch (hinterher) will, umso besser, dann fühle ich mich mächtig. Alles, was geschieht, ist mein Wille! Das ist doch – Chronologie hin oder her – beinahe so gut wie die Allmacht: Was ich will, geschieht! Wenn man dann auch noch die Umkehrbarkeit oder Relativität der Zeit berücksichtigt, dann ist sowieso beides dasselbe.

So gesehen, könnten wir uns die Hilfsverben eigentlich sparen. Sie beschreiben nur die Oberfläche eines Geschehen. In der Tiefe ist es EIN GESCHEHEN, da gibt es keinen Willen mehr, kein Dürfen und Können, da ist nur noch der kosmische Strom der Ereignisse, in dem der Ich-Gedanke sich einbildet auf einer Insel zu stehen, aber das ist eben nur seine Einbildung.

ich = du = er, sie, es
So ähnlich wie mit Hilfsverben ist es auch mit den Personalpronomina. Ob ich etwas tue oder er (der Wolf Schneider) oder du (sage ich zu mir) oder wir (alle Teile meiner Persönlichkeit) oder ihr (Fragmente dieses Wolf Schneider) ... ist schnurz, es ist eben nur EIN GESCHEHEN.

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