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Wolf Schneider

Wolf Schneiders Webdiary

5.2.2005

»Let's get physical«

Körperlich arbeiten, zuhause sein

Ich arbeite lieber körperlich als geistig. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich vom Geistigen schon zu viel habe. Das Körperliche fehlt mir eher (das Lied »Let's get physical« fällt mir dazu ein, das ich vor gut zwanzig Jahren als Handwerker auf einer Ranch in Oregon so gerne hörte). Am meisten mag ich, wenn ich beides verbinden kann: körperlich arbeiten und dabei nachdenken müssen, gestalten dürfen, organisieren – und mich dann über ein konkretes, sichtbares Ergebnis freuen.

Zusammenarbeit
Heute machten wir einen Lagertransport von Niedertaufkirchen nach Hofern. Acht Leute, zwei Autos, ein paar Stunden lang bewegten wir mehr als 10.000 Specials in unser neues Lager, zwei Kilometer weit von hier, bei schönsten Sonnenschein, an diesem klaren, kalten Wintertag. Hände, Gesichter, Körperbewegungen, Zusammenarbeit und dabei Mitdenken: Was tue ich wo hin? Wieviel Stück haben wir noch von was? Mit diesen paar Tonnen Papier transportierten wir Arbeit von vielen Jahren, die darin geschrieben steht, illustriert, layoutet.
Mittags zusammen eine warme Suppe essen, dann wieder raus an die Arbeit. So zusammen zu sein ist viel mehr als nur im Büro oder am Telefon oder per Text (vom Schreiber zum Leser). Es ist körperlicher, direkter.

Lokal/Global
So haben hier auf dem Land seit Generationen die Menschen zusammengearbeitet, sie kannten sich, sahen einander, wussten voneinander. Meistens kamen sie nicht weit rum, sondern blieben ihr Leben lang in dieser Gegend. Eine Nachbarin war heute mit dabei, die drei Kilometer von hier auf einem Bauernhof aufgewachsen ist mit vier Geschwistern. Sie hilft uns sehr gerne, sie ist glücklich, hier mitarbeiten zu dürfen; für sie atmet dieser Verlag ein bisschen von der Welt da draußem, von einem weiteren Geist, von was ganz anderem als womit sie aufgewachsen ist und was für sie, bei aller Liebe zu ihrer Heimat, doch eng ist und eintönig.

Heimat
Ich selbst bin hier in der Gegend viel weniger verwurzelt, obwohl ich schon seit vierzehn Jahren hier wohne, in diesem Haus in Niedertaufkirchen. Ich könnte hier leben, oder auch in Indien, Italien oder Amerika, das macht für mich nicht viel Unterschied. Heimat? Das ist für mich mehr die Erde, ihre Vegetation, die Tiere und Menschen, die hier leben. Wo auch immer ich sie antreffe, wo sie in Frieden miteinander leben, da fühle ich mich zuhause.

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