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Wolf Schneider

Wolf Schneiders Webdiary

1.6.2005

Ethik und Mystik

Ethik und Mystik sind die wichtigsten Themen unserer Zeit. Hinter der Politik und allem Handeln steht die Ethik. Und hinter der Religion und allem Religiösen steht die Mystik.
Große Worte, ja ... aber ich fang doch mal damit an. Auch wenn dies bloß ein Blogeintrag ist und ein Beginn des Nachdenkens.

Was ist Ethik?
Ist das wirklich so einfach, kann das denn sein? Im einzelnen ist es komplex, wie immer. »Im Grunde« aber ist Ethik als Lehre vom richtigen Handeln und Verhalten die Antwort auf die Frage »Was soll ich tun?« – und betrifft jegliches Handeln. Ob ich meine Steuererklärung korrekt mache, meine Garten umgrabe, meine Geliebten oder Verwandten pflege, betreue, küsse, erziehe, erdulde ... oder mich still hinsetze und meinen Atem beobachte. Alles ethische Fragen. Poltisch oder privat? Hängt beides zusammen und ist beides letztlich ein ethisches Thema
Soll ich etwas (egoistisch) für mich oder (altruistisch) für die anderen tun? Eine typische Oberflächenfrage aus der alten ethischen Tradition, denn beides hängt zusammen: In der Regel geht es mir auch dann gut, wenn es meiner Umgebung gut geht, und umgekehrt. Deshalb sind Egoismus und Altruismus keine Gegensätze, sondern nur zwei ethische Stilrichtungen, denen tendenziell verschiedenen Prognosen zugrundliegen und nicht etwa verschiedene Prinzipien.

Was ist Mystik?
Handeln, erstreben, erzielen, erreichen, Erfolge haben oder scheitern, nützlich sein oder unnütz, ist das schon alles im Leben? Ein »um-zu«-Mensch sein, ein Streber, ein Rädchen im Getriebe oder aber ein Unternehmer und Erreicher, genügt mir das? Dabei gewinnt in dem alten Märchen doch der Igel den Wettlauf gegen den Hasen. Ja, es gibt noch etwas anderes: einfach da sein. Das ist Mystik, der Kern und Ursprung aller Religion und Religiosität. Die Verschmelzung des Ich mit dem Anderen, dem nicht-Ich.
Ist das wirklich der Ursprung von Religion? Und was ist mit Gott und dem Leben nach Tod und all dem? Das meiste von dem, was die Religionen lehren, ist nicht erkennbar – und deshalb ist es müßig, darüber zu spekulieren, ob es das gibt. Und der Rest ist erfahrbar, in dem man einfach »da ist« und sich vergegenwärtigt, was »da ist«. Jetzt.

Verwechslungen haben böse Folgen
Während ich das aufschreibe, bin ich selbst verblüfft über diese ungeheure Einfachheit. Mir fällt aber nichts ein, was dem widersprechen würde, auch wenn die Rückführung von allem (!), was wir tun, denken oder sind auf die beiden Grundbegriffe Ethik und Mystik im einzelnen nachzuvollziehen wäre.
Und vor allem die Unterscheidung ist wichtig: Was ist ein ethisches Problem und was gehört in den Bereich von Mystik und Religion (im Sinne von »Rückbindung«). Das erste hat mit konsequentem Handeln, logischem Denken und klarer Voraussicht zu tun, beim zweiten geht es um Erkenntnis und die Frage »Wer bin ich?«.
Eine Verwechslung der beiden Bereiche hat böse Folgen, denn das Mystische ist »jenseits von Gut und Böse« (oder führt dort hin oder kommt von dort her oder ruht darin), während Ethik sich ganz klar diesseits davon bewegt.

Ethik und Mystik auf der Schule
Das Verrückte ist, dass auf unseren Schulen der Ethikunterricht als unwichtiges Nebenfach gilt, auf das die Schüler oft sogar verzichten dürfen, oder es wird gar nicht erst angeboten. Oder nur als Alternative zu »Religion«! Wobei doch Religion/Mystik eben genau das andere, die Ethik Ergänzende ist.
Vielleicht wäre es besser, auf den Schulen ein Fach »Meditation« einzuführen, und eventuell Philosophie, Selbsterkenntnis und die Grundlagen der Wissenschaft/en dort noch mit anzuhängen. Alles andere basiert auf Ethik.
Und die Sprachen? Das sind doch Erkenntnisinstrumente und zugleich Werkzeuge des Handelns. Mystik und Ethik, beides spielt in die Sprachen rein und wohl auch überall sonst.
Aber: Beides unterscheiden zu können, darauf kommt es an! Wenn Ethik und Mystik heute die wichtigsten Themen sind, dann ist die Fähigkeit das eine vom anderen unterscheiden zu können, heute eine der wichtigsten Herausforderungen an die menschliche Intelligenz und Weisheit.

Alles lässt sich auf diese
beiden Grundthemen zurückführen:
Mystik und Ethik

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