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Wolf Schneider

Wolf Schneiders Webdiary

30.7.2005

Man sieht sie nicht

Wer Gedanken ankommen sieht, der kann auch Sprache beobachten

Gedanken ankommen zu sehen ist gar nicht so leicht. Wenn man sie bemerkt hat, sind sie normalerweise schon da. Sie ankommen zu sehen heißt, sich der Leere gewahr zu sein. Nur von dort aus, aus diesem Gewahrsein heraus, sieht man einen Gedanken ankommen.
Ebenso schwer ist es, ihn verschwinden zu sehen. Denn wenn er (Wer? War da was?) weg ist, ist er ja nicht mehr da, das Gewahrsein ist dann also mit der Leere identifiziert.

Unfasziniert Sprache wahrnehmen
Vermutlich ist die unfaszinierte Beobachtung von Sprache ähnlich schwer. Einen Laut, der als Wort auftritt als bloßes Geräusch wahrnehmen zu können, dazu muss man in der direkten sinnlichen Wahrnehmung verankert sein, außerhalb von der Ursache-Wirkungs-Kette vom Wort zur assoziierten Bedeutung. Wer davon frei ist, der kann auch Gedanken ankommen und wieder verschwinden sehen und umgekehrt.

Feine Beobachtung
Das habe ich unterschätzt, bei meiner naiven Werbung für »Sprachbewusstsein«. Ein Wort als Geräusch zu erkennen, es im Moment des Auftretens als solches wahrzunehmen, das ist etwas ebenso feines wie einen Gedanken ankommen zu sehen.

Gedanken sind Besucher,
die schon mitten in der
Wohnung stehen,
eh man sie bemerkt

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