Wolf Schneiders Webdiary
4.3.2006
Die Weitwinkelperspektive
Zurückdrehen, um sich selbst mit ins Bild zu bekommen
Moderne Bewegtkameras haben oft einen sehr starken Zoom. Mit dem nähert man sich dem Objekt und verkleinert den Bildausschnitt. In der anderen Richtung am Objektiv gedreht, weitet man das Blickfeld und entfernt sich (scheinbar) vom Objekt. Wie weit kann man dabei gehen? Der 180 Grad Winkel ist dabei das Maximum, mehr geht nicht. Der Fotograf kann dabei sich und seine Kamera nie mit aufs Bild bringen – sich selbst allenfalls per Selbstauslöser, aber auch dann ist seine Kamera nicht mit im Bild. Das wahrnehmende Subjekt (in diesem Falle die Kamera) kann sich nie selbst mit aufs Bild bringen, das geht prinzipiell nicht; es geht physikalisch nicht, vielleicht auch mathematisch (außer eventuell per Infinitesimalrechnung).
Das »geistige Auge«
Vor unserem »geistigen Auge« allerdings können wir so weit gehen, dass wir das Subjekt mit ins Bild bekommen. Wer spricht, kann sich dabei gewahr sein, dass er spricht. Wer fotografiert, kann sich dabei bewusst sein, dass er fotografiert. Was immer wir tun, wir können dabei per »geistigem Weitwinkel« soweit zurückdrehen, dass wir uns selbst mit ins Bild bekommen. Das könnte man »Bewusstsein seiner selbst« oder »Achtsamkeit« nennen.
Beim jeglichem Tun (oder auch Wahrnehmen) haben wir ja normalerweise das Objekt unseres Tuns im Auge und auch im Sinn. Das ist, wo unsere Aufmerksamkeit hingeht – manchmal: die ganze Aufmerksamkeit. Dann ist für die Selbstbeobachtung nichts mehr übrig.
Der Schlüssel
Genau das braucht es aber: sich selbst wahrnehmen können! Das ist der Schlüssel zum Frieden, zur Weisheit und zum Humor.
Sich selbst wahrnehmen können
ist der Schlüssel zu Frieden,
Weisheit und Humor
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