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Wolf Schneider

Wolf Schneiders Webdiary

6.8.2006

Aggressive Religionen

Wer im Nahen Osten Frieden will, muss tiefer blicken als nur in den Libanon und zur Hisbollah

Jeden Tag wieder diese Nachrichten aus dem Libanon und über Israel, die Hisbollah, Syrien, Iran – und so wenig Hintergrund dazu. Immer nur die Kämpfe, die Toten, das Leid, die Zerstörung. Im Nahen Osten kämpfen sie ja seit mehr 50 Jahren um Israel und Palästina. Immer wieder Krieg und Vertreibung, Drohungen und Hass. Nach den Wurzeln wird nicht gefragt, jedenfalls nicht tief genug.

Spätfolgen des Holocaust
Der eine Grund für diese Kämpfe ist, dass sie offenbar eine Spätfolge des Holocaust sind. Die Gründung des Staates Israel ist eine Folge des Holocaust und damit auch die daraus resultierenden Kriege. Nach all den antijüdischen (nicht »antisemitischen« – auch die Araber sind ja Semiten) Vertreibungen und Vernichtungen in Europa wollten die Siegermächte des zweiten Weltkriegs den Juden einen eigenen Staat geben und zwar dort, wo sie ihre religiöse Heimat haben, ihr »gelobtes Land«. Aber auch für zwei andere Religionen ist dies ein heiliges und gelobtes Land: für das Christentum und für den Islam. Die Moslem jedenfalls wurden, als die Juden kamen und einfach ihren Staat dort hinsetzten, von dort vertrieben oder vor Ort in ihrer eigenen, uralten Heimat schwer benachteiligt. Und die sich dann in (noch aus dem Holocaust resultierender) Opferhaltung »verteidigenden« Juden führten bald Angriffskriege.

Kein Land ist »Gottes Land« – oder jedes ist es
Der dahinter stehende noch tiefere Grund für die Nahostkriege sind die Aggressivität und der Hochmut aller drei dort beheimateten Religionen: Judentum, Christentum und Islam. Diese Aggression und Arroganz sind bereits in den Wurzeln dieser Religionen zu finden und in ihren Heiligen Schriften, das wird nicht erst von überspannten »Extremisten« so ausgelegt. Wer das nicht sieht und aufzulösen versucht, wird im Nahen Osten nie Frieden schaffen können. Schon der Begriff »Heiliges Land« ist tiefer betrachtet Unsinn, ebenso die »Heiligen Schriften«, die als Gottes Wort gelten. Kein Land ist Gottes Land – oder jedes Land ist es, und ebenso ist es mit den Schriften. So partikulär ist Gott nicht, dass er nur den einen eine Schrift gibt und den anderen nicht, und es gibt auch nicht »sein Volk«, das er nun gegen andere Völker aufhetzen würde. Was für blödsinnige Gottesvorstellungen sind das! Klar, dass die zum Krieg führen, da braucht man sich nicht zu wundern.

Beschönigung
Wenn Gutmeinende betonen, dass »Salaam« und »Schalom« doch eigentlich Frieden heiße und dass das die eigentliche Bedeutung der Religion sei – und das Christentum eine »Religion der Liebe« – dann ist das immerhin meist gut gemeint. Es beschönigt diese Religionen aber.
Das Christentum ist eben nicht nur eine Religion der Liebe, sondern auch eine Religion des Hasses gegen das Böse, eine Religion der Eroberung der Erde und der Bekehrung der Heiden. Ganz ähnlich das Judentum und der Islam, die sind auch nicht friedlicher oder bescheidener.
Wer wirklich eine Religion der Liebe will, der erschaffe sich eine, das wäre jedenfalls eine gute Tat. Für solch eine religiöse Kreation findet man einiges auch in den genannten drei Religionen, aber das ist dann nicht die Wiedergabe dieser Religionen, sondern eben eine eigene Kreation. Die drei abrahamitischen Religionen sind in ihren Wurzeln blutrünstig und arrogant.

Die abrahamitischen Religionen als
»eigentlich friedlich« zu beschreiben
ist eine Beschönigung

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