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Wolf Schneider

Wolf Schneiders Webdiary

24.8.2008

Das Antlitz Gottes

ist für Theisten die grafische Benutzeroberfläche des Universums

Theisten schauen anders aufs Universum als Atheisten. Sie sehen darin Gott, sie »erkennen« ihn/sie darin, so wie manche im Mond einen Mann im Mond und in gewissen Hügeln des Mars auch dort ein Gesicht sehen. Wie Martin Buber im Ganzen das Du sieht und im Du das Ganze, das gefällt mir schon besser: Gott als die menschengemäße grafische Benutzeroberfläche des Universums. Deshalb: Nach seinem Bilde schuf er ihn. Der Mensch seinen Gott.
So wie das Internet erst durch eine grafische Benutzeroberfläche zum WorldWideWeb und damit (seit 1993) für die Massen benutzbar wurde: Theismus verstehen als die massentaugliche Art, das Universum wahrzunehmen. Weil ein unpersönliches Universum so schwer zu ertragen ist. Wenn ich schon in mir selbst eine Person sehe, dann möchte ich auch dort, im anderen, in dem, was ich nicht bin, ein Du sehen, eine Person. Oder in dem, was dich und mich umfasst, im Ganzen. Sonst wäre ich ja allein.

Ich und Du
Dabei kommt es mir leichter vor, in mir selbst, in diesem Haufen von Fragmenten, eine Person zu sehen, als im Ganzen, im All den allumfassenden Gott.
Im Du das Göttliche? Das fällt mir leicht. Leichter als im Ich. Obwohl es doch, philosophisch gesehen, dieselbe Art von Konstruktion ist. Meine Liebe zu mir selbst hat sich durch die Liebe zu anderen entwickelt, nicht von allein. Es fiel mir immer leichter andere zu lieben als mich selbst. Erst indem ich staunend andere mich lieben sah, konnte ich auch mich selbst mit solchen Augen sehen.
Liebe den anderen wie dich selbst? Für mich müsste es eher heißen: Liebe dich selbst wie den anderen.

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